Sonntag, 13. Mai 2012

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher (Knaus 2011)

Hildegunst von Mythenmetz ist wieder da! Hildegunst ist ein Lindwurm vom zamonischen Kontinent. Übersetzt wie immer von Walter Moers. Laut der Buchbeschreibung auf der Rückseite des Buches, habe ich erfahren, dass Hildegunst durch einen mysteriösen Brief zurück in die nach zweihundert Jahren wiederaufgebaute Stadt Buchhaim einkehrt, wo ihn einige seltsame und böse Überraschungen erwarten.

Ich konnte das Buch leider nicht zu Ende lesen, weil der Autor – Entschuldigung - der Übersetzer mir freundlicherweise davon abgeraten hat, weiter zu lesen. Denn – ach was – lest selbst und rettet euer Leben oder stürzt euch todesmutig in die Gefahr! (LTF7)

Wolfgang Zickler: Der siebte Kristall (safeline-media, 2011)

"Der siebte Kristall" vom Dortmunder Wolfgang Zickler ist ein abenteuerlicher Fantasieroman.

Basti wird von einem seltsamen Mann auf einer alten Kutsche angesprochen. Eine der ersten Kutschen, die er jemals sah, obwohl er auf dem Land, auf einem Bauernhof aufgewachsne ist. Der Mann schenkt ihm ein Amulett, doch bei der Berührung passiert etwas Unbegreifliches, vor Bastis innerem Auge fliegen unendlich viele Bilder vorbei.
Basti erzählt diese Geschichte seinen Freunden Pepe und Floh. Diese glauben ihm, besonders nachdem Pepe einen Traum hatte, der dann auch in Erfüllung ging.

Meine Meinung zu diesem Buch ist zweigeteilt. Auf der einen Seite hat es natürlich eine atemberaubende Story, mit unglaublichen Ideen, wunderschönen Bilder und sogar die Schrift scheint nicht schwarz zu sein. Auf der anderen Seite geht das Buch oft zu weit ins Detail, so das es langweilig wirkt und man keine Lust hat weiter zu lesen. Außerdem ist das Buch ungeeignet, neue Leser zu werben, da es sehr dick ist. Und was die Mythologie angeht . . .
Zu empfehlen ist es ab zwölf. (TH8)

Ivo Pala: Die Hüterin Midgards (Sauerländer, 2012)

"Die Hüterin Midgards" vom deutschen Autor Ivo Pala ist der erste Teil der Elbental-Saga, welche auf der Siegfried-saga beruht.

Svenja, ein Waisenmädchen, das auf den Straßen Dresdens lebt, trifft kurz vor ihrem 17. Geburtstag auf einen Wolf so groß wie ein Pony. Und tut das, was jeder in dieser Situation tun würde. Sie rennt weg und damit direkt in die Arme mittelalterlich gekleideter Gestalten. Es schlägt Mitternacht, Svenja hat Geburtstag und sieht plötzlich alles in Zeitlupe. Sie kann einen Pfeil, der auf den Wolf geschossen wird, mit einem Kieselstein aufhalten und später auch verschwinden. Doch die merkwürdigen Leute finden sie wieder, sie muss sich entscheiden . . .

Das Buch ist super. Es ist sehr, sehr schön geschrieben und hat eine unglaubliche Story. Allerdings nicht für jeden zu empfehlen, denn man braucht ein gewisses Grundwissen in germanischer Mythologie. Setzt man dies allerdings voraus, ist es ab 10 zu empfehlen. (TH8)

Rolf Lappert: Pampa Blues (Hanser 2012)

Dies ist ein sehr vorsichtiges, langsames Buch. Ort des Geschehens ist ein Mini-Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Fast alle Bewohner des Dorfes sind weg, aus verschiedenen Gründen – nur ein paar alte schrullige Männer, eine jüngere Frau und ein Junge von 16 Jahren sind übriggeblieben – Ben. Er ist die Hauptperson, der in einer Ich-Erzählung sachlich über den unspektakulären Alltag dieser merkwürdigen Überlebensgemeinschaft berichtet. Trotzdem passiert etwas, das spannend ist, hier aber nicht verraten wird.

Das Buch ist wunderbar geschrieben, einfach und ohne irgendeine Stelle, über die der Leser im Innern stolpern könnte. Bemerkenswert ist die Schilderung der Beziehung Bens zu seinem immer mehr in eine alzheimerartige Krankheit abdriftenden Großvater – glaubwürdig und absolut gut nachvollziehbar werden die umsorgende Zuneigung und gleichzeitiges Genervtsein des außergewöhnlich kreativen jungen Mannes nebeneinandergestellt. Trotz der deprimierend anmutenden Ausgangslage ist dies Buch ein mutmachender Beitrag zum Erwachsenwerden. (UP13)

Sangu Mandanna: Lost Girl – Im Schatten der Anderen (Ravensburger 2012)

1. "Lost Girl, im Schatten der Anderen" von der englischen Autorin Sangu Mandanna, ist ein Roman über Liebe, Tod, Wut und Ethik.

Ein Mädchen muss alles nachahmen, was ein anderes Mädchen am anderen Ende der Welt tut. Um es im Falle eines Unfalls zu ersetzen. Sie hat noch nicht mal einen eigenen Namen. Nach außen hin so tun, als wäre sie Amarra. Nur ihre Gedanken gehören ihr selbst, aber die darf sie nicht aussprechen.
Doch dann muss sie wirklich zu ihren Nenneltern nach Bangalore, um die echte Amarra zu ersetzen. Wird sie Amarras Freunde täuschen können? Sie muss, denn in Indien sind Echos eigentlich verboten. Und wenn ihre Nenneltern sie nicht behalten wollen, wird sie von den Meistern, die sie erschaffen haben, umgebracht.

Das Buch gefällt mir sehr gut, denn man kann sich perfekt in die Personen einfühlen. Sie sind realistisch und sehr unterschiedlich.
Empfehlen würde ich das Buch jedem ab 10. (TH8)


2. Ein bisschen Doppeltes Lottchen, ein bisschen Frankenstein, ein bisschen Krabat, ein bisschen Schul-Soap in Bollywood, ein bisschen unheimlich, weil es um Klone geht. Alles zusammen eine spannende Mischung.

Ein junges Mädchen, Eva, 16 Jahre, wird von ihren Vormunden Erik und Mina Mai großgezogen. Einen Freund hat sie auch – Sean. Dann sind da noch vier weitere Erwachsene, die sich um sie kümmern. Erzogen wird sie allein zu Hause, weil das sicherer ist. Aber ihr gefällt das abgeschottete Leben nicht und sie versucht immer wieder, ein eigenes unabhängiges Leben zu führen. Das soll sie aber nicht, denn sie ist „nur“ ein Echo – ein Klon eines anderen Mädchens, das nicht wie sie in England, sondern in einer Familie in einer großen indischen Stadt lebt. Dies Mädchen heißt Amarra und mag sie nicht, vor allem weil sie immer Tagebuch schreiben muss, damit Eva  alles aus ihrem Leben weiß.

Wozu das Ganze? Die Eltern von Amarra haben solche Klone für ihre Kinder in Auftrag gegeben zur Sicherheit, damit, wenn mal eins ihrer Kinder sterben sollte, dann das Echo dessen Leben weiterlebt und die Eltern nicht auf ihre Kinder verzichten müssen -  doch so einfach ist das alles nicht, wie sich herausstellt. Man muss das Buch lesen, um zu verstehen, was es mit dem ich und den anderen auf sich hat. Und man darf nicht zimperlich sein als Leser – mehr soll hier nicht erraten werden.

Ich finde die Idee des Buches sehr interessant. Mindestens zwei Welten prallen hier aufeinander. Am Anfang wollte ich unbedingt sofort wissen, wie alles ausgeht und habe die erste Hälfte des Buches in einem Zug gelesen. Dann aber stockte meine Neugier, weil ich feststellte, ok, jetzt kommt wieder ein neues Abenteuer –das hatten wir doch schon so ähnlich – ich meine, dem Buch hätte in der zweiten Hälfte eine Kürzung gut getan. So habe ich am Ende sehr schnell gelesen, einiges sicher auch überlesend dabei, weil ich nur noch wissen wollte, wie es ausgeht – die verschiedenen verwirrenden Hin-und her Spiele haben mich dabei nicht mehr so interessiert. Und es blieben doch auch am Ende Fragen offen, z.B. warum denn nun eigentlich ausgerechnet in Indien die Familie die Klone bestellte – die Bekanntschaft zwischen einer indischen Frau und einem englischen Wissenschaftler schien mir da zu wenig Motiv. Dennoch: ein lesenswertes Buch einer jungen indischen Autorin. (UP13)

Dienstag, 1. Mai 2012

Bettina Obrecht: Einmal Nummer Eins (Thienemann Gabriel 2012)

1. Inhalt:
Eine Wette zwischen zwei Geschwistern. Hannah und Valerie. Wer schafft es als erste ins Fernsehen? Hannah denkt mehrmals, dass sie es nicht mehr schaffen kann, denn es sieht mehrmals so aus, als ob Valerie die Nase vorne hat. Es passiert etwas, womit keiner gerechnet hätte. Hannah kann zeigen, was in ihr steckt. Nur ein bisschen anders, als sie sich das vorgestellt hat.

Einschätzung:
Ich finde das Buch gut. Es ist an manchen Stellen lustig und an anderen weniger. Ich habe dieses Buch zum Teil meiner Schwester vorgelesen, sie fand es auch so gut, dass ich gar nicht mehr aufhören durfte zu lesen und das wollte ich auch nicht, denn dieses Buch verleitet dazu immer weiter zu lesen. Ich kann es nur weiterempfehlen und wünsche allen Lesern viel Spaß. JK6

2. "Einmal Nummer Eins" von Bettina Obrecht ist ein Kinderbuch zum Thema Castingshows. Ab wann sollten Kinder bei so etwas teilnehmen?
Immer ist Valerie besser als Hannah. Kein Wunder, sie ist ja auch fast vier Jahre älter. Als sie zusammen eine Castingshow anschauen, beginnt der Stress. Valerie sagt, als sie ein nicht so hübsches Mädchen im Fernsehen sieht, dass sie, wenn dieses Mädchen es schafft, es auch schaffen müsste ins Fernsehen zu kommen. Dann wetten sie, wer als erstes ins Fernsehen kommt. Alles sieht so aus, als ob Valerie gewinnt. . .

Das Buch ist ganz nett, aber etwas langweilig und der Klappentext ist irreführend.
Empfehlen würde ich es von 5 bis 10. (Th9)

Schulamit Meixner: ohnegrund (Picus 2012)

Wenn Lesen bedeutet, im Kopf zu reisen, dann ist dieses Buch eine gute Möglichkeit. London. Tel Aviv. Wien. Indien. Das sind so ungefähr die Orte, an die man sich während der Lektüre möglichst gleichzeitig hinbeamen muss, denn die Geschichte ist nicht linear erzählt, sondern besteht aus einzelnen sich abwechselnden kurzen Erzählfragmenten, die sich der Leser im Laufe des Lesens selbst zusammensetzt, bis sich ihm auch das Letzte – die bis dahin rätselhaft wirkenden Wetterberichte zu Beginn jeden Kapitels  - ganz am Ende des Buches dann erschlossen hat.

Die Geschichte: Amy verlässt ihre ursprünglich aus Wien stammende und in London lebende Familie, um in Tel Aviv für sich ein neues Leben aufzubauen. Das ist überraschend und entgegen aller familiären Erwartungen. Und endet unerwartet für den Leser, spiegelt aber spürbar das Leben der gegenwärtigen jungen jüdischen Generation in Israel und derer Verbundenheit mit den Juden in aller Welt und ihrer wechselhaften Geschichte. Das Ende der Geschichte ist ernst und hoffnungsvoll, wird aber hier nicht näher beschrieben, damit der Reiz des Selbst-Lesens nicht verlorengeht.

Bereits mit den ersten Seiten wird deutlich, dies Buch behandelt ein ernstes , gegenwärtiges und interessantes Thema (deshalb ist mir auch völlig unverständlich, weshalb für das Buch auf dem Cover mit der Bezeichnung  „witzig“ geworben wird – hab ich das nicht erkannt?)
Ich habe das Buch in einem Zuge gelesen, weil es spannend ist. Als einigermaßen erfahrener Leser haben mir die Zeitsprünge in der Erzählung auch keine Probleme gemacht, ebenso hab ich mich schnell an die Eigenheiten österreichischer Ausdrucksweise gewöhnt. Ob Thema und Schreibweise für Jugendliche zu erreichen ist, kann ich nicht sagen. Sicher sollte man sich zuvor über die Geschichte des modernen Israel ein wenig informiert haben und sich in Grundzügen mit der Religion der Juden bekannt gemacht haben. In jedem Falle ein Buch, das nachdenklich macht und gleichzeitig informiert und das es lohnt zu lesen. (UP13)