Was wird aus Kindern, die etwas Furchtbares und Schreckliches in ihrem Leben erlebt haben? Etwas so schreckliches, dass man sich es gar nicht vorstellen kann? Das erfährt man, wenn man die Geschichte von Arn liest. Er wird groß in einem aus heutiger Sicht lange zurückliegenden und hier vielleicht wenig bekannten Konflikt: der Leser wird in das Kambodscha der 70er Jahre entführt, in den Konflikt zwischen den regierungstreuen Truppen und den aufständischen und kommunistisch regierten Roten Khmer. Der Konflikt wird durch die Vietnamesen und durch das Eingreifen Amerikas beendet. Vielen Kindern kann am Ende geholfen werden, entweder im Lande selbst oder indem sie in einem anderen Land eine neue Chance bekommen. Aber das Schreckliche und Unaussprechliche, das sie erlebt haben, nehmen sie mit und es wütet in ihnen weiter.
Ich finde es wichtig solche Bücher zu schreiben, weil es heute noch genau solche brutalen Kriege gibt unter denen nach wie vor Kinder leiden. Die räumliche und zeitliche Distanz zu heute macht es möglich, als Leser nah an das Geschehen heranzutreten und die Vorgänge auf sich wirken zu lassen. Arns Weg zeigt uns die unausweichliche Spirale der Gewalt und der Abstumpfung gegenüber dem Leid der anderen. Er zeigt aber auch, dass letztlich nur die Mitmenschlichkeit siegen kann und Veränderungen hervorruft.
An manchen Stellen ist es mir schwer gefallen, das Buch zu lesen. Kaum vorstellbar sind die menschenverachtenden Handlungen der Erwachsenen gegenüber den Kindern und auch der Kinder untereinander. Immer geht es um das nackte Überleben. Wenn man sich das nicht jederzeit vor Augen hält, lässt sich die Brutalität dieses Buches nicht verstehen und ertragen. Unterstrichen wird diese Brutalität durch den knappen sachlichen Erzählstil, der kaum Raum für Gedanken und Schilderungen lässt. So wie auch der harte Überlebenskampf keinen Raum für Beobachtungen und Gefühle lässt. Dadurch wirkt das Buch fesselnd und lässt den Leser lange nicht los, wenn man es am Ende zugeschlagen hat.
Lesbar ab 13 Jahre (UP13)
Montag, 14. Oktober 2019
Bov Bjerg: Auerhaus (Blumenbar 2015)
Über dieses Buch hatte ich schon viel gehört, das Blog von Bjerg kenne ich und ich habe ihn in einer Lesung gesehen. Ich war gespannt. Das Buch liest sich gut und schnell, am Ende ermüdete mich der Stil ein wenig (so eine Art pars pro toto Stil) – aber ich wollte unbedingt wissen, wie diese Gruppe von jungen Leuten ihr Leben meistern. Die Geschichte ist eine lange Momentaufnahme der Zeit vor dem Abitur zu einer Zeit, in der es noch ungewöhnlich war, dass auf dem Lande WGs gebildet wurden. Das war auch nur möglich, weil einer der Protagonisten suizidgefährdet schien, und weil die Eltern dem Experiment „Zusammenwohnen“ offen gegenüberstanden und weil man sich eben im Dorf kennt. Alle erzählten Erlebnisse sind so oder ähnlich nachvollziehbar wenn man jung und auf dem Lande und im Aufbrauch zum eigenen Leben ist. Von daher unbedingt lesenswert.
Sicher ist das Erzählte aber vor allem nachvolllziehbar für Leser, die in den 70ern bis 80ern jung waren. Vieles erinnerte mich an andere Bücher, in denen Jugendliche zu sich finden, Schüler Gerber, Tschick, Wo ein bisschen Zeit ist usw. Zudem ist das Thema Suizid in den letzten Jahren vielfach in Jugendbüchern verarbeitet worden (Allein unter Schildkröten z.B.). Auch Aussenseiter und Drogen sind nicht neu. Mich hat das Ende der Geschichte verblüfft, denn es gibt zwei Versionen, Märchen und Nicht-Märchen. Und damit stimmte mich das Buch ratlos und traurig am Ende und ich fragte mich, was die Botschaft der Geschichte sein soll.
Schlüsselwörter: Stadt, Landleben, Suizid, Rebellion, Jugend, Abitur
Sicher ist das Erzählte aber vor allem nachvolllziehbar für Leser, die in den 70ern bis 80ern jung waren. Vieles erinnerte mich an andere Bücher, in denen Jugendliche zu sich finden, Schüler Gerber, Tschick, Wo ein bisschen Zeit ist usw. Zudem ist das Thema Suizid in den letzten Jahren vielfach in Jugendbüchern verarbeitet worden (Allein unter Schildkröten z.B.). Auch Aussenseiter und Drogen sind nicht neu. Mich hat das Ende der Geschichte verblüfft, denn es gibt zwei Versionen, Märchen und Nicht-Märchen. Und damit stimmte mich das Buch ratlos und traurig am Ende und ich fragte mich, was die Botschaft der Geschichte sein soll.
Schlüsselwörter: Stadt, Landleben, Suizid, Rebellion, Jugend, Abitur
Saphia Azzedine: Mein Vater ist Putzfrau (Wagenbach 2015)
Ich weiß nicht recht, was man zu diesem Buch sagen soll. Der Titel weckt auf jeden Fall Interesse, das Cover auch. Die Geschichte ist an sich interessant: Ein Junge wächst in ziemlich bescheidenen Verhältnissen auf und entdeckt das Lesen als Ausweg au s einfach allem. Das ist das, was sehr gut beschrieben ist und auch nachvollziehbar ist. Die Liebe der Eltern zu dem Kind, besonders des Vaters zu dem Kind, ist ebenfalls sehr anrührend. Demzufolge ist das nicht ganz realitätsbezogene Verhalten des Jungen verständlich.
Was mir nicht gefallen hat, ist die Mischung aus sensibel erzähltem Innenleben eines ca. 16jährigen Jungen und der Vulgarität des Ausdrucks. Das hat mich fast schockiert, ich mag sowas nicht so gerne lesen. Ich weiß auch nicht, ob dies Buch, das sicher im Reigen der jungen französischen Literatur seine n berechtigten Platz, nun als Jugendbuch durchgehen kann. Was sollte der Sinn sein in der direkten, detaillierten aber vulgär beschriebenen Beschreibung der erotischen Fantasien eines 16jährigen? Außerdem ist dann der Schluss verwirrend, denn es liegen offenbar Jahre zwischen dem Ende und der Geschichte – der Junge ist jetzt selbst Vater und alles geht von vorne los. Empfehlung: ab 16 Jahren (UP13)
Schlüsselwörter: Frankreich, Abitur
Was mir nicht gefallen hat, ist die Mischung aus sensibel erzähltem Innenleben eines ca. 16jährigen Jungen und der Vulgarität des Ausdrucks. Das hat mich fast schockiert, ich mag sowas nicht so gerne lesen. Ich weiß auch nicht, ob dies Buch, das sicher im Reigen der jungen französischen Literatur seine n berechtigten Platz, nun als Jugendbuch durchgehen kann. Was sollte der Sinn sein in der direkten, detaillierten aber vulgär beschriebenen Beschreibung der erotischen Fantasien eines 16jährigen? Außerdem ist dann der Schluss verwirrend, denn es liegen offenbar Jahre zwischen dem Ende und der Geschichte – der Junge ist jetzt selbst Vater und alles geht von vorne los. Empfehlung: ab 16 Jahren (UP13)
Schlüsselwörter: Frankreich, Abitur
Jessica Alcott: Selbst wenn du mich belügst (cbt 2015)
Das Thema des Buches ist neu. Eine Schülerin verliebt sich einen Lehrer und umgekehrt. Das ist spannend. Die Geschichte dreht sich um das allmähliche Begreifen und um das Ausloten dessen, was möglich ist und was nicht.
Dennoch fand ich das Buch nicht so spannend. Es ist alles ziemlich in die Länge gezogen, viele ähnliche kleine alltägliche Situationen werden hintereinander gereiht. Der Hauptperson wird eine beste Freundin gegenübergestellt, die eigentlich viel mehr die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht als die Hauptperson. Vieles bleibt unerklärt und offen, von einzelnen Begriffen, die nicht erklärt werden und aus dem Leben amerikanischer highschoolbesucher stammen bis hin zu Situationen, die nicht aufgelöst werden. Am meisten hat mich gestört, dass ich mir während des ganzen Buches kein Bild von der Hauptperson machen konnte. Charlie blieb für mich gestaltlos. Am Schluss, nur wenige Wochen nach dem Ende der ganzen Geschichte zieht sie die Schlussfolgerung (im nebensatz), dass sie sich wohl getäuscht hat. In was? In wem? In sich selbst? Und so bleibt diese an sich interessante Geschichte ein wenig belanglos und am Ende klischeehaft. (UP13)
Schlüsselwörter: Highschool, Verliebtsein
Dennoch fand ich das Buch nicht so spannend. Es ist alles ziemlich in die Länge gezogen, viele ähnliche kleine alltägliche Situationen werden hintereinander gereiht. Der Hauptperson wird eine beste Freundin gegenübergestellt, die eigentlich viel mehr die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht als die Hauptperson. Vieles bleibt unerklärt und offen, von einzelnen Begriffen, die nicht erklärt werden und aus dem Leben amerikanischer highschoolbesucher stammen bis hin zu Situationen, die nicht aufgelöst werden. Am meisten hat mich gestört, dass ich mir während des ganzen Buches kein Bild von der Hauptperson machen konnte. Charlie blieb für mich gestaltlos. Am Schluss, nur wenige Wochen nach dem Ende der ganzen Geschichte zieht sie die Schlussfolgerung (im nebensatz), dass sie sich wohl getäuscht hat. In was? In wem? In sich selbst? Und so bleibt diese an sich interessante Geschichte ein wenig belanglos und am Ende klischeehaft. (UP13)
Schlüsselwörter: Highschool, Verliebtsein
Sandra Weihs: Das grenzenlose Und (Frankfurter Verlagsanstalt 2015)
In diesem Buch wird sehr offen über die innere Welt einer jungen Person erzählt, die mit dem Attribut „Borderline“ versehen wird. In allen Einzelheiten wird sehr überzeugend der Blick der 18jährigen Marie auf sich selbst, ihre Fähigkeiten und vor allem vermeintlichen Unfähigkeiten geschildert. Der schmale Grad zwischen hohem Selbstanspruch und dem daraus folgenden ständigen Gefühl der Enttäuschung ist gut nachvollziehbar. Marie will nicht mehr leben. Und wird dann konfrontiert mit einem unheilbar Kranken – mich hat dieses Buch gefesselt. Wer sich jemals mit diesem Thema befasst hat oder sich auch nur ansatzweise mit derartigen Gedankengängen befassen musste wird hier vielleicht eine gute Richtlinie zur Einschätzung und auch zu den Chancen ähnlicher innerer Vorgänge finden. Gleichzeitig denkt man während der Lektüre über das Thema der aktiven Sterbehilfe nach … Ein Buch, das Mut macht, sich dem Inneren zu stellen und die Hoffnung niemals aufzugeben.
Wegen der Ernsthaftigkeit und Härte der inneren Auseinandersetzung würde ich das Buch keinem unter 14 Jahren empfehlen. (UP13)
Schlüsselwörter: Borderline, Suizid, Sterbehilfe, Gehirntumor
Wegen der Ernsthaftigkeit und Härte der inneren Auseinandersetzung würde ich das Buch keinem unter 14 Jahren empfehlen. (UP13)
Schlüsselwörter: Borderline, Suizid, Sterbehilfe, Gehirntumor
Adele Griffin: Addison Stone (cbt 2015)
Die Geschichte um die junge Künstlerin Addison Stone ist auf jeden Fall faszinierend und spannend zu lesen. Es ist die Innensicht einer multiplen Persönlichkeit. Daneben erfährt man einiges über den Kunstbetrieb, den Vor- und Nachteil von modernem Mäzenentum, das sich in der Arbeit von Galeristen darstellt. Und es wird deutlich, wie sich ein Leben in New Und es wird deutlich, was das Leben junger Künstlerin New York ausmacht, das zwischen intensiver Arbeit, nicht enden wollender Ideen und Drogen stattfindet. Ich nehme an, junge Künstler in anderen Großstädten leben ähnlich. Eine schmale Gratwanderung. Erstaunlich ist, dass man ein ziemlich genaues Bild von Addisons Persönlichkeitsstruktur bekommt, obwohl sie selten selbst zu Wort kommt, sondern eigentlich nur durch Interviews von Leuten charakterisiert wird, die sie umgeben. Über den Inhalt möchte ich aber nun nicht weiter sprechen, damit der Reiz des Buches für den Leser erhalten bleibt.
Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Vor allem auch, weil es zeitgemäß aufgemacht ist. An manchen Stellen wirkt es eher wie eine Boulevard-Zeitung, viele Fotos geben ein Bild der jungen Frau wieder, die sehr lebensvoll, interessiert, aber auch sprunghaft die verrücktesten Aktionen macht, die dann per Video festgehalten wurden. Also alles sehr modern und lebensnah. Youtube Kunst. . Auf den Bildern sind auch Addisons Freunde zu sehen, so dass man sich alles genau vorstellen kann. Das Schönste sind aber Porträtbilder in Tusche und Öl, die Addison gemalt hat, die meisten sind sehr schön und anrührend. Ich würde dieses Buch ab 14 Jahren empfhelen. (UP13)
Schlüsselwörter: Kunst, New York, Schizophrenie
Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Vor allem auch, weil es zeitgemäß aufgemacht ist. An manchen Stellen wirkt es eher wie eine Boulevard-Zeitung, viele Fotos geben ein Bild der jungen Frau wieder, die sehr lebensvoll, interessiert, aber auch sprunghaft die verrücktesten Aktionen macht, die dann per Video festgehalten wurden. Also alles sehr modern und lebensnah. Youtube Kunst. . Auf den Bildern sind auch Addisons Freunde zu sehen, so dass man sich alles genau vorstellen kann. Das Schönste sind aber Porträtbilder in Tusche und Öl, die Addison gemalt hat, die meisten sind sehr schön und anrührend. Ich würde dieses Buch ab 14 Jahren empfhelen. (UP13)
Schlüsselwörter: Kunst, New York, Schizophrenie
Susin Nielsen: Glücklich für Anfänger (cbt 2015)
Die Geschichte dieses Buches dreht sich um eine Patchworkfamilie. Und zwar ist der Zeitpunkt in den Blick genommen, als die Familie zusammenzieht. Dass so ein Wendepunkt im Leben aller Beteiligten nicht einfach ist, kann man sich vorstellen. Um das darzustellen, werden in diesem Buch die verschiedenen Probleme, die Jugendlichen das Leben schwer machen können, nahezu auf die Spitze getrieben. Neben der üblichen amerikanischen Highschool-Problematik (Sportversessenheit, Dresscodes, Hierarchien und Hackordnungen usw.) komemn die Themen Hochbegabung, Nerds, Tod eines Elternteils, Arm und Reich, Facebook-Party, Schutztrupps, Homosexualität hinzu. Das macht die Geschichte natürlich spannend. Gleichzeitig stellt sich mir aber die Frage, ob es soviel Thematik auf einmal gibt … also die Häufung wirkt leider auch etwas unrealistisch.
Der Stil des Buches ist leicht und witzig. Auch die Übersetzung ist flüssig und man eckt an keiner Stelle an. Die Personen sind zwar speziell, aber nachvollziehbar und im Grunde sympathisch gezeichnet und machen eine echte und überraschende Entwicklung durch. Insofern gibt das Buch Hoffnung für scheinbar ausweglos erscheinende Schulsituationen. Ich empfehle das Buch ab 12 Jahren. (UP13)
Der Stil des Buches ist leicht und witzig. Auch die Übersetzung ist flüssig und man eckt an keiner Stelle an. Die Personen sind zwar speziell, aber nachvollziehbar und im Grunde sympathisch gezeichnet und machen eine echte und überraschende Entwicklung durch. Insofern gibt das Buch Hoffnung für scheinbar ausweglos erscheinende Schulsituationen. Ich empfehle das Buch ab 12 Jahren. (UP13)
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